Entschuldigung, liebe Kinder,

das wird ein etwas peinlicher Brief.

Ihr werdet ihn vielleicht nicht heute oder morgen lesen, aber vielleicht in ein paar Jahren, wenn wir auf die Coronapause zurückblicken. Es sind Zeilen des Versagens, geschrieben aus einer Müdigkeit, die entsteht, wenn man mit voller Energie auf der Stelle tritt, aber nicht vorwärts kommt.

Genau so fühlen wir uns wenn wir auf die Coronapause schauen. Anfang März seid Ihr zuletzt in die Schule gegangen, heute früh das erste Mal wieder. Für ein paar Stunden. Kindergärten und Kitas sind zum Teil noch ganz geschlossen. Die vergangenen 100 Tage waren Coronapause – geprägt von dem Versuch mit diesem großen, unsichtbaren Virus umzugehen, die Kurve abzuflachen, vernünftig zu bleiben und den Laden irgendwie am Laufen zu halten.

Wir haben politisch versagt - Offener Brief an unsere Kinder 1
Zum Heulen! (Foto: Unsplash)

Ihr wart währenddessen unfassbar geduldig: Ihr habt Bilder gemalt und tapfer auf „Sozialkontakte“ verzichtet. Obwohl Kinder dieses Wort eigentlich nicht kennen und einfach nur Freunde treffen, zum Fußball, Reiten oder schlicht auf den Spielplatz wollen. Ihr habt gewartet während ständig irgendwer in einen Computerbildschirm geschimpft hat. Ihr habt die schlechte Laune eurer streitenden Eltern ausgehalten, noch ein Bild gemalt und weiter gewartet. Und ehrlich gesagt wartet Ihr noch immer…

Wir sind unterdessen voller Energie auf der Stelle gelaufen. Wir haben ein bisschen mit gemalt und „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt. Aber geändert hat sich nichts.

Und dafür bitten wir Euch um Entschuldigung!

Wir ärgern uns noch immer. Und zwar zuerst über uns selbst: Wir haben es nicht geschafft, dieser Gesellschaft deutlich zu machen, dass da eine ganze Generationen Menschen wartet. Uns ist es nicht geglückt, Eure Interessen so lautstark und deutlich zu vertreten wie Fleischfabrikanten, Bischöfe und Baumarkt-Besitzer es ganz selbstverständlich tun.

Die Lobby für Kinder sind überforderte Eltern, die nicht mehr können: Deshalb entschuldigen wir uns jetzt hier und öffentlich bei euch. Wir haben politisch versagt. Als Eltern. Wir haben den Kultusminister*innen, den toughen Krisenmanagern (looking at you Söder) und der gesellschaftlichen Corona-Debatte nicht deutlich machen können: Die Kinder in diesem Land leiden!

Und das stimmt auch dann, wenn wir keine einfache Lösung präsentieren können. Auch wir haben keine Ahnung, wie man mit einer weltweiten Pandemie umgeht, wir wissen nicht welche Risiken wo lauern. Aber wir wissen, dass wir über das richtige Vorgehen auch aus der Perspektive von Kindern sprechen müssen. Jetzt und deutlich (looking at you, Politiker*innen)

Selbst offensichtlich hilfsbedürftigen Veganköchen und Vernunft-Zweiflern ist geglückt, was wir nicht hingekriegt haben: Sie bestimmten für eine Weile die gesellschaftliche Debatte. Klar, es gibt auch tolle Eltern-Initiativen, die viel bewirkt haben. Auch in TV-Talkshows wurde mal über das Schicksal von Eltern diskutiert und es wurde ein Kinderbonus beschlossen, aber das Grundproblem blieb ungelöst:

Unsere Kinder leiden und wir können ihnen nicht helfen!

Deshalb schreiben wir diesen Offenen Brief – und schicken ihn in die Zukunft, in Eure Zukunft – mit der Bitte darum, mit Verständnis auf diese Zeit zu schauen. Und zu entschuldigen, dass uns nicht geglückt ist, was wir in Zukunft hoffentlich besser hinkriegen: Kindern in der gesellschaftlichen Debatte eine Stimme zu geben!

Falls Politiker*innen hier mitlesen: Wir fänden es super, wenn Ihr auch endlich so einen Brief schreiben würde oder besser noch, mal auf das Schicksal der Kinder schaut!

Mitmachen!

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