Eine der wenigen Sportarten, die du gerade problemfrei und sogar mit Kindern gemeinsam ausüben kannst (wenn sie zum Beispiel nebenher radeln), ist: Laufen! Die New York Times sagt deshalb sogar einen Laufboom voraus (Foto: unsplash).

Denn Laufen geht sogar in diesen Zeiten, wie der Sportmediziner Perikles Simon hier erklärt:

Wer zum Beispiel joggt, sollte mindestens zwei Meter Abstand zu den Nebenleuten einhalten. Das ist wirklich wichtig. Jeder, der joggt, kennt das: Selbst aus einigen Metern Abstand riecht man den Zigarettenrauch stark. Je nach Witterung verteilt sich so ein Virus wie Rauch in der Luft; es sinkt mal schneller, mal langsamer zu Boden. Deshalb ist es durchaus möglich, dass man sich beim Joggen ansteckt oder eben andere ansteckt, wenn man den Abstand von zwei Metern nicht einhält.

Sportmediziner Simon im Tagesspiegel

Auch in Bayern mit Ausgangsbeschränkung weiter erlaubt.

Ivo und Heiko laufen gerne, Dirk ist ein fröhlicher Jogger. Hier erzählen alle drei, wie sie zum Laufen gekommen sind – und was sie Laufanfänger*innen raten:

Wie wir laufen 2

Heiko

Ich hab vor ca. 15 jahren einfach angefangen zu Laufen. Am Anfang war es eher ein schnelleres Gehen. Einmal um den kleinen Park hinter unserem damaligen Wohnhaus. Vielleicht zwanzig Minuten. Mit der Zeit wurden die Läufe länger. Vor 12 Jahren habe ich mich dann zu meinem ersten offiziellen Lauf angemeldet und bin 2013 meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Eigentlich hasse ich es gemeinsam mit Anderen zu Laufen. Aber so ein offizieller Lauf für den ich Geld bezahle motiviert mich dann doch regelmäßig zu trainieren (bin so eine Art Schwabe). Seitdem Laufe ich regelmäßig. Wenn möglich 2-3 mal die Woche. Es gibt zwischendurch aber auch immer mal wieder längere Pausen (wegen Krankheit oder Unlust). Wichtig ist, sich nach so einer Pause wieder zu motivieren.

Meine drei Tipps für EinsteigerInnen:

  • Läufe mitprotokollieren. Die App iSmoothRun speichert die Daten nicht in der Cloud, sondern nur lokal auf dem Smartphone. Es reicht aber auch eine einfache Liste auf Papier. Hauptsache die Regelmäßigkeit wird abgebildet.
  • Früher habe ich fast nur Podcasts beim Laufen gehört. Die binden mental zu stark. Echte Kopffreiheit gibt es nur mit Punkrock oder Stille.
  • Gute Laufschuhe sind wichtig. Gebt Geld für gute Laufschuhe aus dem Fachhandel aus. Das restliche Equipment könnt Ihr auch bei Tchibo kaufen.

Ivo

Ich habe Anfang 2008 mit dem Rauchen aufgehört und mit dem Laufen angefangen. Der Anfang (wie vieles beim Laufen) ist sehr individuell. Für untrainierte Läufer wird oft der Wechsel Gehen/Laufen empfohlen. Ich habe mich über kleinere Strecken (4-5km, langsames Tempo) in ein paar Monaten an 10 km heran gearbeitet und im Mai 2008 meinen ersten Wettkampf absolviert (Nike Human Race). Ich laufe im Jahr zwischen 800 und 1200km. Ebenso individuell sind Geschwindigkeiten und Laufstile. Auch besteht hier keine Korrelation.

Bis zu meinem ersten Wettkampf habe ich mich für einen akzeptabel schnellen Läufer gehalten. Dem ist nicht so. Lasst euch nicht von anderen Läufern stressen. Wettkämpfe (ich bin mehrere 10km-Läufe und Halbmarathons gelaufen) sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Sie sorgen einerseits für Motivation, stressen mich aber auch und ich werde regelmäßig in der letzten Woche vor dem Wettkampf krank, trainiere falsch („zwei Tage vorher noch schnell 12 km laufen, nur zur Sicherheit, los“) oder ich bekomme im Lauf Probleme weil zu nervös. Ich laufe im Moment alle zwei, drei Tage und versuche mich einfach gut dabei zu fühlen.

Je nach Stress-Level laufe ich mit (wenig Stress, gute Form, schnell, 90s Techno ftw) oder ohne Musik (viel Stress, genervt, eher langsam) im Ohr. Am liebsten laufe ich in Fahrrad-Begleitung von meinem Dad oder Sohn. Das kommt allerdings nicht so oft vor (weil wohnt weit weg bzw. keinen Bock). Nach 12 Jahren bei Nike+ tracke ich meine Läufe ab diesem Jahr mit Runkeeper. 

Meine drei vier Ratschläge für Laufanfänger*innen:

  1. Es gibt gute und schlechte Tage. Auch beim Laufen. Das ist ok.
  2. Laufe erst wieder wenn du keinen Muskelkater mehr hast.
  3. Zieh dich so warm an, dass du beim Start das Gefühl hast etwas zu wenig an zu haben.
  4. …nur für Männer: Lasst euch überholen. Das ist hart – i know, muss man lernen. Ihr lauft nur für euch. Niemanden interessiert wie (schnell) ihr läuft.

Dirk

Ich habe mich sehr lange gewehrt, mich als Läufer zu bezeichnen. Ich fand das immer anmassend und werde das Gefühl auch heute nicht ganz los – obwohl ich nach Heikos Ermutigung unlängst auch an einer offiziellen Laufveranstaltung teilnahm und aktuell drei Paar Laufschuhe besitze, weil ich irgendwo mal gelesen haben, dass man bei täglichen Läufen oft wechseln soll.

Dass ich jetzt eher drüber rede, hängt mit dem Hashtag #laufenmachtglücklich zusammen. Denn erstens stimmt er inhaltlich und zweitens habe ich dort gesehen, dass ihn viel weniger Menschen zum Angeben nutzen als ich dachte. Übers Laufen zu posten, bloggen oder nur zu reden, hängt im Gegenteil mit dem zusammen, weshalb wir hier bloggen. Um mit anderen darüber zu reden, wie sie es machen.

Mein Laufeinstieg vor fünf Jahren hatte ganz viel mit Technik zu tun. Denn durch das Tracking (kann Withings-Schrittzähler und die Runkeeper-App empfehlen) wurde mir erstmals sichtbar, dass ich ja Distanzen laufen kann. Es ist noch immer ein wunderbares Gefühl, in der Liste eine konkret greifbare Kilometerzahl zu sehen. Und zwar auch hier: nicht um irgendwas mit irgendwem zu vergleichen, sondern einzig und allein für mich. Ich sehe dort, was mein Körper in jedem müden Muskelfaser sagen will: „Ich habe was gemacht“.

Das ist ein tolles Gefühl, das gerade in diesen Zeiten hilft. Deshalb versuche ich so oft wie möglich meine Kinder zu bequatschen, neben mir zu radeln während ich renne oder vielleicht sogar selber ein Stück zu laufen.

Denn ich laufe mittlerweile so begeistert, dass ich gerne auch andere daran teilhaben lassen will. Laufen ist für mich nämlich noch vor der körperlichen Ertüchtigung, ein Denksport. Beim Laufen gelingt es mir, kilometerweit nicht zu denken, bzw. anders zu denken. (Sogar dann, wenn ich dabei Musik, Podcasts oder bevorzugt Live-Übertragungen von Fußballspielen anhören).

Wer sich selbst für kreativ hält, braucht solche Denkpausen.

Deshalb meine drei Ratschläge für Laufanfänger*innen:

  1. Höre nicht auf Ratschläge. Suche dir selber einen Weg
  2. Laufe stets langsamer und weniger als du denkst! Schreibe dir aber auf, wenn du laufen warst.
  3. Setze dir nicht das Ziel, einen Marathon zu laufen, sondern setze Dir das Ziel, ein Läufer/eine Läuferin zu werden. Und das bist du, wenn du regelmäßig läufst (wie man Regelmäßigkeit erzeugt, kann man bei James Clear nachlesen)

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