Es gibt sie zwar noch nicht, eine Meinung hat aber trotzdem gefühlt schon jeder – die Corona-Kontakt-Tracing-Apps. Ich verwende hier bewusst den Begriff Tracing (Rückverfolgung) und nicht Tracking (Verfolgung/Überwachung). In meinen Freundeskreis gab es dazu in den vergangen Tagen teils hitzige Diskussionen. Aber der Reihe nach. Zuerst einmal muss man diese Art von Apps abgrenzen gegen die bereits in den App-Stores verfügbare Datenspende-App des Robert Koch Institut. Diese übermittelt (spendet) Daten wie Ruhepuls, Schlaf und Aktivitätsniveau und soll helfen Infektionsschwerpunkte zu erkennen. Die Spende erfolgt freiwillig und anonym.

Die Kontakt-Tracing-Apps verfolgen einen anderen Ansatz. Mit ihrer Hilfe können im Nachhinein relevante Kontakte von Infizierten identifiziert werden bzw. diese sich selbst identifizieren. Hört sich nach einem Datenschutz-Albtraum an. Muss und soll es aber gar nicht sein. Jedenfalls nicht wenn nach der „Decentralized Privacy-Preserving Proximity Tracing“-Methode (DP-3T) gearbeitet wird.

Folgende Eigenschaften lassen sich der Methode zuordnen:

  • es werden keine Positionsdaten erfasst, gespeichert, weitergegeben, verarbeitet
  • es werden keine persönlichen Daten erfasst, gespeichert, weitergegeben, verarbeitet
  • die (anonymen) Datenschlüssel werden erst einmal nur via Bluetooth von den Geräten der Nutzer versendet und von Geräten in der Nähe empfangen und lokal gespeichert
  • Daten werden erst im Infektionsfall an ein dritte Instanz weitergegeben
  • die Daten werden vorher von der Person freigeben, ggf. gecleart
  • der Abgleich mit infizierten Daten erfolgt lesend von den anderen Smartphones, Treffer werden nicht am Server sondern am Smartphone erkannt
  • Daten und Datenübertragung sind verschlüsselt
  • der Quellcode der Apps und Backend ist offen einsehbar
  • …die Nutzung der App erfolgt freiwillig

Wie genau die DP-3T-Methode funktioniert erklärt der Comic weiter unten. Der Chaos Computer Club hat 10 Prüfsteine für eine Corona-Tracing-App formuliert, die sich größtenteils mit den obigen Punkten decken.

…ja aber ich habe gehört jetzt arbeiten auch noch Google und Apple zusammen und wollen uns überwachen?

Jein, die beiden großen Smartphone-Riesen haben sich lediglich auf nötige Schnittstellen-Anpassungen in ihren Bluetooth-Protokollen verständigt, die den beschrieben Austausch der Daten über alle Plattformen hinweg überhaupt erst ermöglichen. Außerdem stellen sie einen Baukasten zur Verfügung mit dem DP-3T Apps umgesetzt werden können (Presseerklärung von Apple und Google und T Frameworks, API, Specs von Apple DP-3)

Und ja, sobald man beteiligten übergeordneten Instanzen (Google, Apple, Betreiber der Apps, Server-Hoster, Backbone-Manager) “böse Absichten” unterstellt, wackelt die Theorie natürlich sehr schnell. Diese Risko-Beurteilung muss jeder für sich selbst vornehmen. Auch sollte man im Blick behalten, ob die beschriebene Methode überhaupt zum Einsatz kommt. Darüber scheint im Moment Unklarheit zu bestehen.

Einen interessanten Podcast zum Thema gibt es hier.

DP-3T-Comic

Und hier nun der Comic von Nicky Case (übersetzt von Sven) der die DP-3T-Methode anschaulich erklärt.

Wer den Comic selber verwenden will und mehr Infos sucht findet diese hier.

Die Sache mit den Corona-Apps 2
Die Sache mit den Corona-Apps 3
Die Sache mit den Corona-Apps 4
Die Sache mit den Corona-Apps 5
Die Sache mit den Corona-Apps 6
Die Sache mit den Corona-Apps 7
Die Sache mit den Corona-Apps 8
Die Sache mit den Corona-Apps 9
Die Sache mit den Corona-Apps 10
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Die Sache mit den Corona-Apps 19

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