Alle Stadtbibliotheken haben deutschlandweit mittlerweile ja geschlossen. D.h. aber nicht, dass ihr die Angebote Eurer Bibliothek vor Ort nicht nutzen könnt. Die meisten öffentlichen Bibliotheken haben schon länger umfangreiche, digitale Angebote, die in der Corontäne um so wichtiger werden.

Mitglied werden

Um die Angebote zu nutzen, benötigt man einen Bibliotheksausweis. In vielen Bibliotheken musste man dazu bisher vor Ort an die Theke. Im Zuge der Corona-Krise hat aber z.B. die Stadtbibliothek München kurzfristig auch ermöglich sich online anzumelden (und dazu noch drei Monate Gratisnutzung drauf gelegt). Andere Bibliotheken bieten das auch schon an. Falls nicht, kann man auch einfach mal bei der Bibliothek vor Ort anrufen und fragen, wie man möglichst ohne persönlichen Kontakt Nutzer werden kann. Die jährliche Bibliotheksgebühr liegt durchschnittlich bei ca. 20€. Kinder, Geflüchtete oder Empfänger von ALG II zahlen häufig reduzierte Gebühren oder sind gleich ganz frei. Insgesamt ist ein Bibliotheksausweis also deutlich günstiger als ein Netflix-Jahresabo.

Die große Vielfalt

Anders als bei Amazon oder Netflix sind die digitalen Angebote nicht so einheitlich. Nutzer der Hamburger Bücherhallen können auf andere Angebote zugreifen als Nutzer der Stuttgarter Bibliotheken. Das hängt immer auch von den lokalen Gegebenheiten, Konzepten und vorhandenen Budgets ab. Für fast alle Angebote kooperieren die Bibliotheken mit externen Dienstleistern. Man hat dann zwar einen Login, muss sich damit aber auf jeder Webseite oder App neu einloggen.

Digital ausleihen

Bei einigen der Dienste ist zu beachten, dass ein Medium (eBook, Hörbuch) nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. D.h. wenn ein Buch ausgeliehen ist, muss man erst wieder warten, bis es zurückgegeben wird. Wer also solidarisch handeln will, sollte nicht einfach blind so viel wie möglich Medien ausleihen, sondern wirklich nur das, was grade gebraucht wird. Dann haben andere Nutzer auch mehr Chancen auf den Lieblingstitel.

Im folgenden stelle ich ein paar Services vor, die es nicht nur in großen Metropol-Bibliotheken gibt, sondern durchaus auch in kleineren Stadtbibliotheken. Welche Dienste es davon bei Euch gibt, erfahrt ihr auf der Webseite Eurer Bibliothek.

eBooks

Das eBook-Angebot in deutschen Bibliotheken ist bereits ziemlich groß. Die meisten Bibliotheken nutzen dafür den Dienstleister onleihe. Es gibt aber auch noch ein paar kleinere Anbieter, wie z.B. ciando. Anders als z.B. beim Amazon Kindle, sind die Bücher aus der onleihe im ePub-Format. D.h. man kann sie auf allen gängigen eReadern (außer dem Amazon-Kindle) oder Desktop-Rechnern/Laptops lesen. Zusätzlich gibt es Apps für iOS und Android.

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Einige Bibliotheken kooperieren außerdem mit dem Dienst Overdrive. Der funktioniert ähnlich wie die onleihe und hat v.a. englischsprachige Bücher im Angebot.

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Toll für Familien: Die Kinderbuch-App TigerBooks (iOS // Android) ist auch über viele Bibliotheken frei nutzbar.

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Hörbücher, Hörspiele und Musik

Die Onleihe und Overdrive haben neben eBooks auch viele Hörbücher im Angebot. Anders als z.B. bei bei Spotify findet man dort aber wenig Hörspiele (Drei ???, TKKG), sondern v.a. Hörbücher.

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Die Naxos Spoken Word Library hat eine große Anzahl an englischsprachigen Hörbüchern. Allerdings v.a. gemeinfreie Literatur auf die es keine Urheberrechtsansprüche mehr gibt. Die Seite sieht zwar aus wie aus dem Jahr 1999, aber die Aufnahmen sind von professionellen Sprechern und als Zusatzgimmick läuft bei vielen Hörbüchern der Originaltext des Buches parallel zum gesprochene Wort mit. Gut zum Englisch lernen.

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Für Musikstreaming kooperieren einige Bibliotheken mit dem Anbieter freegal, der inhaltlich nicht mit den großen Streaminganbietern mithalten kann, aber durchaus auch zeitgenössisches Titel im Angebot hat.

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Zeitschriften und Zeitungen

Bei der Onleihe gibt es viele deutsche Tageszeitungen (taz, SZ, FAZ, Handelsblatt) und Magazine (stern, Spiegel, Focus, Stiftung Warentest) zum Ausleihen. Über den PressReader (iOS, Android) findet man ebenfalls viele deutsche und v.a. auch internationale Zeitungen und Zeitschriften.

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Datenbanken und E-Learning

Über das Munzinger Archiv hat man Zugriff auf umfangreiche Datenbanken zu Personen, Ländern und Zeitgeschichte. Außerdem, je nach dem, welches Paket die Bibliothek gebucht hat, auch noch Zugang zu den Archiven von SZ, Spiegel, Welt und FAZ. Einige größere Stadtbibliotheken haben zusätzlich noch ein Abo für die sehr umfangreiche Pressedatenbank von Genios.

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Das Duden Basiswissen (enthalten im Munzinger Archiv) bietet Lernmaterial für alle Jahrgangsstufen an und die onleihe hat ebenfalls viele Fortbildungs-eBooks zu den unterschiedlichsten Themen im Angebot.

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Wer für eine Hausarbeit professionelle Statistiken braucht, bekommt mit dem Zugang zum Service von statista eine riesiges Archiv aktueller und historischer Schaubilder zu allen möglichen Themen. Der Zugang kostet normalerweise ab 49€/Monat.

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Filme

Für Filme gibt es momentan leider nur einen Bibliotheksdienst. Filmfriend (iOS // Android) hat v.a. Arthouse-Kino, Dokumentationen und deutsche Filme. Im Kids-Bereich gibt es ein paar schöne Kinderfilme und Serien. Die Liste der teilnehmenden Bibliotheken ist leider noch relativ kurz, aber es sind schon viele auch kleinere Stadtbibliotheken dabei.

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Fotos: Screenshots der einzelnen Anbieter, Teaser: tigerbooks Pressematerial

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