coronapause
Logo

Das Rundschreiben des französischen Bildungsministeriums

Ich habe einen Kettenbrief weitergeleitet. Auf Twitter habe ich ein (angebliches) Rundschreiben des französischen Bildungsministeriums mit zusätzlichem Kommentar geretweetet (hab den Tweet mittlerweile gelöscht, aber noch mal vielen Dank an @KoelnFormat für den Hinweis). In dem Schreiben geht es grob gesagt darum, dass Lernen und Unterricht grad nicht so superwichtig sind, und das man sich jetzt viel mehr um die Kinder kümmern soll, damit keine psychischen Schäden bleiben. (der ganze Wortlaut steht z.B. hier oder findet sich über die Google-Suche auf zahlreichen offizielle Schulwebseiten oder hier als Screenshot gesichert). Ich konnte bisher keine Quelle für das Schreiben finden (mein Französisch ist nicht so supergut). @deuxcvsixs Französisch ist hingegen viel, viel besser und sie hat mir freundlicherweise eine Kurzzusammenfassung der Corona-Seite des französischen Bildungsministeriums gegeben. Von dem Schreiben ist dort erst mal nichts zu finden. (Dafür aber der Hinweis, dass Comics lesen voll ok ist. Das freut mich!). Außerdem erkennt sie in dem Beschäftigungstipp „Kekse backen“ einen eindeutigen Kulturbruch. Machen Franzosen wohl nicht so gern. Es riecht also vieles nach einem frei erfundenen Kettenbrief (sollte jemand gegenteilige Informationen haben – her damit)

Ich hab in den letzten drei Wochen in zahlreichen WhatsApp Gruppen viele andere Kettenbriefe und Videos mit teilweise harmlosem Inhalt, teilweise aber auch grob irreführenden Verschwörungstheorien erhalten. Ich habe bei den offensichtlich falschen immer versucht sachlich und ohne Zeigefinger die Fakten richtig zu stellen. Das ist immer ein schmaler Grat. Was Sascha Lobo in seiner Kolumne zur Vernunftpanik geschrieben hat finde ich treffend:

Wenn die Besserwisser am Ende doch irgendwie falsch lagen, und so empfinden es inzwischen viele Leute, wirkt die nächste Fake-News-Welle um so intensiver. Die Bereitschaft, sich korrigieren zu lassen, sinkt weiter.

Mir sind die Mechanismen hinter solchen Briefen eigentlich ziemlich klar. Sie triggern Teile meiner Identität. Ich höre, was ich hören will und das dazu noch aus einer seriösen Quelle. Besser gehts eigentlich nicht. Es passt mir einfach total gut in den Kram. Durch das Retweeten wird dann noch ein Teil des guten Gefühls auf mich übertragen, weil ich die (frohe) Botschaft weitertrage. Oft kommen die Inhalte dazu noch von persönlichen Bekannten, denen man Vertrauen entgegen bringt und die Original-Quelle ist dann gar nicht mehr wichtig (in meinem Fall war es zwar ein Tweet, aber es wäre noch mal einen eigenen Blogbeitrag wert, warum ich langen Threads eines mir eigentlich unbekanntem Nutzers mit einigermaßen seriösem Nutzerbild auf Twitter mehr vertraue als z.B. einer weitergeleiteten WhatsApp Nachricht. In einer WhatsApp-Gruppe wäre ich wahrscheinlich schneller skeptisch geworden).

Ich bin mir also all dessen bewusst und drücke trotzdem auf den Retweet-Knopf.

Ich versuche schon länger nachsichtiger zu sein, niemals herablassend. Ich weiß, dass mir das nicht immer gelingt und das ärgert mich. Und ich werde es gerade in der aktuellen Situation, in der jeder für alles irgendwie noch anfälliger ist als sonst, noch viel mehr versuchen. Schon allein aus Eigeninteresse, weil ich hoffe, dass meine Gegenüber dann auch nachsichtig mit mir und meinen Retweets sind.

Mitmachen!

Wenn Du weitere Tipps und Links zu diesem Thema hast, dann schicke Sie uns entweder per Mail an: tipps@coronapause.de, über unser Kontaktformular oder diekt unten in den Kommentaren zu diesem Artikel. Um auf dem Laufenden zu bleiben kannst Du unseren Newsletter abonnieren, RSS-Feed abonnieren und erzähl gerne anderen Eltern von coronapause.de!

1 Kommentar

  1. Den Brief gibt es schon: https://positivr.fr/continuite-pedagogique-le-discours-reconfortant-dune-maitresse-decole-sur-lapres-confinement/
    Allerdings hat ihn wenn dann höchstens eine Grundschullehrerin aus Caen abgeschickt, und sicher nicht das Ministerium.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2020 Coronapause.de

Theme von Anders NorénHoch ↑