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Home Office

Eigentlich geht das gar nicht: Niemand kann daheim arbeiten und gleichzeitig, daheim Kinder betreuen. Eine der beiden Aufgaben kommt dabei immer zu kurz. Der Schweizer Lehrer und Digital-Experte Philippe Wampfler hat das in diesem Tweet perfekt auf den Punkt gebracht.

Weil aber gerade eine Menge Dinge klappen müssen, die eigentlich nicht gehen, muss man eben improvisieren. Dazu zählt aber vor allem: anzuerkennen, dass diese Herausforderung nicht klappen kann. Es bleibt immer etwas hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Vielleicht liegt darin schon der wichtigste Erfolgsfaktor um die aktuelle „Home Office“-Lage zu meistern: ihr Scheitern zu akzeptieren. Anders formuliert: Es ist vielleicht schon gut, wenn man es am wenigsten schlecht macht.

Darüberhinaus gibt es ein paar grundlegende Tipps fürs Arbeiten von Zuhause aus. Hier sind einige Links, die wir fortlaufenden aktualisieren:

Heiko hatte schon vor der aktuellen Lage zum Thema gebloggt

t3n hat einen kostenlosen Guide zum Thema Home Office veröffentlicht

Poynter hat einen Beitrag zum Arbeiten mit Kindern geschrieben – auf Englisch

Auch bei Buffer wird im Home-Office gearbeitet – hier 21 Tipps auf Englisch

Ebenfalls Englisch ist das Buch „Remote – Office not required“ von den Basecamp-Gründern sowie dieser Eintrag von Matt Mullenweg, dessen Firma WordPress schon seit Jahren ohne eignes Büro auskommt

Konrad Weber hat eine ebenfalls laufend aktualisierte Liste angelegt

Und immer dran denken: Home Office mit Kindern kann auch sehr lustig sein

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Lernen zu Hause

Viele Schulen beginnen den Unterricht jetzt neu zu organisieren. Oft online und digital. Manchmal auch noch mit verschickten oder abzuholenden Arbeitsblättern. Das Wichtigste dabei: Das wird am Anfang bestimmt ganz oft haken und es wird nie perfekt sein. Es ist für alle Schulen eine noch nie dagewesene Situation und alle geben dort ihr Bestes! Unterstützt Eure LehrerInnen.

Wenn Ihr technisches Know-How habt könnt ihr vielleicht helfen einen (Video)-Klassenchat oder andere Kommunikationswege einzurichten mit denen so viel wie möglich der MitschülerInnen in Kontakt bleiben können. Wenn Ihr KlassenelternsprecherIn seid oder gerade grundsätzlich in der priveligierten Situation seid Zeit, dann haltet die Klasse zusammen. Eltern sind unterschiedlich erreichbar und gerade auch sehr unterschiedlich ausgelastet. Versucht alle mitzunehmen, damit keiner aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen ist. Fragt nach, wenn sich einzelne Familien nach ein paar Tagen noch nicht in die Runde gemeldet haben, ob ihr konkret unterstützen und helfen könnt.

Wir versuchen Zu Hause gerade einen täglichen Ablaufplan einzurichten. Der soll sich ein bisschen am bestehenden Stundenplan der Kinder orientieren und an den Vorgaben, die die LehrerInnen nach und nach an die Kinder schicken. Hauptsache alle stehen morgens regelmäßig auf, lernen ein bisschen was und machen viel Pause zwischendurch. Oberste Priorität liegt dabei nicht auf akurater Erledigung von Aufgabe 3 auf S.34 bis 12:00, wichtiger ist einfach erst mal für die Kinder da zu sein und ihnen langsam in den neuen Alltag zu helfen, Halt zu geben. Jeder hat sein eigenes Tempo. Mehr wissen wir grad auch noch nicht. Man wird sehen.

Ein paar sehr gute Does&Dont’s für das Lernen zu Hause:

Neben dem offiziellen Schulmaterial gibt es unzählige Online-Quellen mit denen Ihr zusätzlich mit Euren Kindern lernen könnt. Einige Lernportale und Schulbuchverlage stellen im Zuge der Corontäne schon kostenloses Material oder Zugänge zur Verfügung. An dieser Stelle will ich eine regelmäßig aktualisierte Linkliste pflegen.

Alltag

Unsere Kinder sind für mindestens fünf Wochen zu Hause. Die sozialen Kontakte sollen auf ein Minimum herunter gefahren werden. Wir müssen Arbeit (zum Teil) im Homeoffice verrichten, um die Betreuung gewährleisten zu können. Bald werden wir vielleicht als Hilfslehrer gefragt sein. Wir, Eltern und Kinder, werden sehr genervt sein.

Wir sind jetzt dazu gezwungen unseren Alltag, unser soziales Leben, Arbeiten und Lernen zu Hause neu zu organisieren. Dabei wird es keine perfekten Lösungen geben, wir werden Fehler machen und Abstriche in allen Bereichen (Arbeit, Schule, soziales Leben) akzeptieren müssen. In dieser Rubrik möchten wir Tipps, Ideen und Erfahrungen geben um Alltag und Freizeit möglichst gut gestalten zu können. 

Neben den allgemeinen Informationen zu den Teilbereichen “Alltag”, “Bewegung & Sport” und “Medien” werden wir im Laufe der Zeit viele konkrete Ideen, Tipps und Erfahrungen sammeln, aufbereiten und hier zur Verfügung stellen. Beteiligt euch daran gerne.

Alltag strukturieren

Wir haben damit begonnen unserem Tag einen Rahmen zu geben. Typisch deutsch? Kann sein. Wir stehen zu einer Wochentags-üblichen Zeit auf, die Kinder müssen raus aus den Schlafanzug(! …wir auch) und beim Frühstück-Machen helfen. Überhaupt verteilen wir etwas mehr, kleinere Aufgaben an unsere Kinder:

“Unser Großer” soll zum Bsp. alle zwei Tage, Münchner Haushalte haben keine gelbe Tonne, den zuvor getrennten Plastik-Müll zum Container bringen, siehe auch “Bewegung & Sport”

Weiter gehören feste Essenszeiten und mehr Disziplin zur Ordnung zum Plan. Ob das so klappt, wird sich zeigen. Wir werden am Vormittag Zeiten fürs Lernen (Arbeitsmaterialien von der Schule incoming) bzw. “Vorschulbeschäftigungen” (Vorschularbeitshefte vorrätig) einplanen. Wichtig hier sind ein Arbeitsplatz für die Kids, regelmäßige Pausen, viel Loben und insgesamt keine überzogenen Erwartungen an Lernzeiten. Unser Schule (Grundschule) empfiehlt im Moment drei Stunden (dritte Klasse).

Vieles wird sich in den nächsten Tagen/Wochen mit Hilfe der Schulen ergeben, ändern und einpendeln. Am Nachmittag geht es an die Luft (siehe Bewegung & Sport) oder andere Beschäftigungen sollen auf dem Programm stehen (siehe ”Medien”, “Experimente”, “Programmieren für Kids”). Über den Tag verteilt rufen wir Großeltern und Freunde per Videochat an. An das Thema Kochen tasten wir uns heran, im Moment haben wir einen Kochplan für die Woche gemacht (“einmal kochen, zweimal essen”). Wir denken aber auch über Meal-Prepping aka. Vorkochen nach.

Struktur durch Vorfreude

Wir haben geplant, regelmäßige Höhepunkte für die Kinder zu schaffen: Anlässe zur Vorfreude. Das kann ein wöchentlicher Spielabend sein, Übernachtungsfest im Wohnzimmer aber auch die in Bewegung & Sport erwähnten Sportwettkämpfe und Kinderdisco.

Links

Online-Quellen mit Hinweisen und Tipps zum Alltag in der Krise. Die Linkliste wird regelmäßig gepflegt.

Das Fenster zur Welt: Window Swap

Sonali Ranjit und Vaishnav Balasubramaniam hatten während der Corona-Pause eine super Idee. Sie nutzen die Zeit, in der niemand reisen konnte, um virtuell zu verreisen: Auf window-swap.com sammeln sie kurze Videoclips, die Menschen überall auf der Welt gefilmt haben – beim Blick aus dem eigenen Fenster.

Das Fenster zur Welt: Window Swap 2
Startseite von https://window-swap.com

Entstanden ist eine beeindruckende Galerie an Fensterblicken aus nahezu allen Kontinenten. Wer ein paar Minuten virtuell aus dem Fenster gucken möchte, sieht plötzlich Straßen in Indien, Vorgärten in Österreich oder Sonnenuntergänge in New York. Das ist nicht nur ein inspirierende Zeitvertreib, sondern auch ein tolles Geografie-Spiel mit Kindern.

Viel Spaß beim Fern-Sehen aus dem Fenster!

Der Duschende in der Videokonferenz – das sind ja wir!

Der Duschende in der Videokonferenz - das sind ja wir! 3
Symbolbild: Duschen (Unsplash)

Eine Geschichte aus Spanien erreicht uns über die britische Tageszeitung Guardian. Dort steht geschrieben, dass ein Vater in Spanien duschend in einer Videokonferenz zu sehen war. Was nach Exibitionismus klingt, ist in Wahrheit Ausdruck für Überforderung, der Eltern in der Home-Office-Home-Schooling-Coronazeit ausgesetzt sind. Denn die Geschichte hinter der Meldung geht so:

Bernardo Bustillo ist Stadtrat der spanischen Stadt Torrelavega und Vater einer Tochter. Als eine virtuelle Stadtratssitzung sich unlängst in die Länge zog, kalkulierte Bernardo, dass er es unmöglich schaffen könne, die Sitzung anständig zu beenden, die Tochter abzuholen und sich noch zu duschen um anschließend zu seinem Nebenjob zu fahren. Also entschied er: Ich gehe kurz duschen während die Sitzung noch läuft.

Unter normalen Umständen würde ein solcher Satz die Absurdität, die in ihm lauert, sofort offenbaren. In Corona-Zeiten klingt ein solcher Satz wie eine gute Lösung.

Dummerweise vergas Bernardo, die Kamera seines mit der Videokonferenz verbundenen Computers auszuschalten. So wurde seine Dusch-Szene in die ganze Gruppe übertragen. Im Web kursiert sogar ein Video von der Konferenz, in der im Bild unten links eine nackte Person aus einer Dusche steigt.

Der Duschende in der Videokonferenz - das sind ja wir! 4

Vermutlich handelt es sich dabei um Bernardo Bustillo, aber in Wahrheit ist das auch egal. Denn viel wahrscheinlicher ist, dass dort unten links eine Symbol-Person duscht, die aus all den Eltern zusammengesetzt wurde, die während dieser Corona-Zeit versuchen, den Ansprüchen gerecht zu werden, die Elternschaft in dieser Pandemie mit sich bringt. Der „Duschende in der Videokonferenz“ klingt nicht nur wie ein Gemälde, es ist auch tatsächlich das perfekte Symbolbild für unsere missliche Situation, in die die Pandemie uns gebracht hat.

Deshalb rufen wir Bernardo Bustillo zu: Wir verstehen dich! Te entendemos, no estás solo con el problema

PS: Vielleicht sollte man mal eine Videokonferenz mit Bernardo Bustillo und Robert Kelly organsieren. Letzterer ist der Mann, dessen Kinder mal eine Live-Übertragung sprengten

Wir haben politisch versagt – Offener Brief an unsere Kinder

Entschuldigung, liebe Kinder,

das wird ein etwas peinlicher Brief.

Ihr werdet ihn vielleicht nicht heute oder morgen lesen, aber vielleicht in ein paar Jahren, wenn wir auf die Coronapause zurückblicken. Es sind Zeilen des Versagens, geschrieben aus einer Müdigkeit, die entsteht, wenn man mit voller Energie auf der Stelle tritt, aber nicht vorwärts kommt.

Genau so fühlen wir uns wenn wir auf die Coronapause schauen. Anfang März seid Ihr zuletzt in die Schule gegangen, heute früh das erste Mal wieder. Für ein paar Stunden. Kindergärten und Kitas sind zum Teil noch ganz geschlossen. Die vergangenen 100 Tage waren Coronapause – geprägt von dem Versuch mit diesem großen, unsichtbaren Virus umzugehen, die Kurve abzuflachen, vernünftig zu bleiben und den Laden irgendwie am Laufen zu halten.

Wir haben politisch versagt - Offener Brief an unsere Kinder 5
Zum Heulen! (Foto: Unsplash)

Ihr wart währenddessen unfassbar geduldig: Ihr habt Bilder gemalt und tapfer auf „Sozialkontakte“ verzichtet. Obwohl Kinder dieses Wort eigentlich nicht kennen und einfach nur Freunde treffen, zum Fußball, Reiten oder schlicht auf den Spielplatz wollen. Ihr habt gewartet während ständig irgendwer in einen Computerbildschirm geschimpft hat. Ihr habt die schlechte Laune eurer streitenden Eltern ausgehalten, noch ein Bild gemalt und weiter gewartet. Und ehrlich gesagt wartet Ihr noch immer…

Wir sind unterdessen voller Energie auf der Stelle gelaufen. Wir haben ein bisschen mit gemalt und „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt. Aber geändert hat sich nichts.

Und dafür bitten wir Euch um Entschuldigung!

Wir ärgern uns noch immer. Und zwar zuerst über uns selbst: Wir haben es nicht geschafft, dieser Gesellschaft deutlich zu machen, dass da eine ganze Generationen Menschen wartet. Uns ist es nicht geglückt, Eure Interessen so lautstark und deutlich zu vertreten wie Fleischfabrikanten, Bischöfe und Baumarkt-Besitzer es ganz selbstverständlich tun.

Die Lobby für Kinder sind überforderte Eltern, die nicht mehr können: Deshalb entschuldigen wir uns jetzt hier und öffentlich bei euch. Wir haben politisch versagt. Als Eltern. Wir haben den Kultusminister*innen, den toughen Krisenmanagern (looking at you Söder) und der gesellschaftlichen Corona-Debatte nicht deutlich machen können: Die Kinder in diesem Land leiden!

Und das stimmt auch dann, wenn wir keine einfache Lösung präsentieren können. Auch wir haben keine Ahnung, wie man mit einer weltweiten Pandemie umgeht, wir wissen nicht welche Risiken wo lauern. Aber wir wissen, dass wir über das richtige Vorgehen auch aus der Perspektive von Kindern sprechen müssen. Jetzt und deutlich (looking at you, Politiker*innen)

Selbst offensichtlich hilfsbedürftigen Veganköchen und Vernunft-Zweiflern ist geglückt, was wir nicht hingekriegt haben: Sie bestimmten für eine Weile die gesellschaftliche Debatte. Klar, es gibt auch tolle Eltern-Initiativen, die viel bewirkt haben. Auch in TV-Talkshows wurde mal über das Schicksal von Eltern diskutiert und es wurde ein Kinderbonus beschlossen, aber das Grundproblem blieb ungelöst:

Unsere Kinder leiden und wir können ihnen nicht helfen!

Deshalb schreiben wir diesen Offenen Brief – und schicken ihn in die Zukunft, in Eure Zukunft – mit der Bitte darum, mit Verständnis auf diese Zeit zu schauen. Und zu entschuldigen, dass uns nicht geglückt ist, was wir in Zukunft hoffentlich besser hinkriegen: Kindern in der gesellschaftlichen Debatte eine Stimme zu geben!

Falls Politiker*innen hier mitlesen: Wir fänden es super, wenn Ihr auch endlich so einen Brief schreiben würde oder besser noch, mal auf das Schicksal der Kinder schaut!

#CoronaElternRechnenAb

Im Donaukurier gibt es heute einen großen Artikel über die Aktion #CoronaElternRechnenAb. Darin gibt es auch eine Reaktion des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales auf die Proteste. Die Antwort lautet: “Die Aktion ist dem StMAS bekannt” und Donaukurier-Autorin Sophie Schmidt führt aus: „Der Staatsregierung sei bewusst, dass insbesondere berufstätige Eltern, die keine Berechtigung zur Notbetreuung haben, und deren Kinder in der aktuellen Situation in vielerlei Hinsicht vor große Herausforderungen gestellt würden. Den Familien wolle man eine Perspektive geben, unter anderem, indem man die Notbetreuung ausweite.

#CoronaElternRechnenAb 6

Das klingt sehr diplomatisch, ist aber weiterhin unbefriedigend, wie man auch in den Blogs von mehreren Autorinnen nachlesen kann, die nachvollziehbarer Weise sauer sind auf die Art und Weise wie auf die Bedürfnisse von Kindern und Familien eingegangen wird:

Gigaguhl und das Riesen-Glück

Mal zehn Minuten Pause. Das ist wäre doch das Riesenglück für Eltern, die sich gerade zwischen „Working from home“ und „Erziehung“ aufreiben. Der Autor Alex Rühle und die Illustratorin Barbara Yelin haben vor der Coronapause ein Kinderbuch veröffentlicht, das vom Riesen-Glück handelt. Es heißt „Gigaguhl und das Riesen-Glück“.

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In diesem wunderbare Video schaffen sie mit dem Buch genau das Riesen-Eltern-Glück: denn zu den Illustrationen von Barbara Yelin erzählt Alex Rühle die Geschichte vom Titelhelden Gigaguhl und den beiden Kindern Nick und Nina.

Der Clip dauert 10 Minuten und ist so liebevoll gestaltet und gesprochen, dass man es nicht schafft, die Kindern einfach vor den Computerbildschirm zu setzen – man will auch als gestresster Vater dabei bleiben und sich entführen lassen in die Welt des schlafenden Riesen, der sein Glück findet.

Alex Rühle ist ein Kollege und Freund von mir. Ich empfehle den Clip aber keineswegs, damit Ihr sein Buch jetzt kauft, sondern einfach nur damit ihr morgen oder übermorgen das Riesen-Glück empfinden könnt, mal wieder zehn Minuten nur für Euch zu haben: Setzt die Kinder einfach vor dieses wunderbare Video!

Die Fragen eines Tages

Die Fragen eines Tages 8

Die Autorin Emma Marris hat einen Tag lang die Fragen notiert, die ihre Kinder ihr im Laufe eines Tages stellen. Der Eintrag ist erstaunlich, beruhigend und begeisternd: die Fragen reichen von „Kann ich auf deinem Handy spielen bis du aufgewacht bist?“ über tausend weitere Wünsche, Bitten und Nachfragen bis zu „Was machen wir morgen?“

Bei der Lektüre dieser Liste stellt man als Eltern, die die Frage häufig als Forderung wahrnehmen, fest wie neugierig und interessiert Kinder sind und dass dies eine Fähigkeit ist, die gefördert werden sollte.

Wie macht man das in Zeiten der Krise?

Mehr Platz für Alle!

Seit zwei Wochen dürfen sich in Bayern meine Kinder (10 und 12 Jahre) wieder mit einem/r „haushaltsfernen“ Freundin oder Freund treffen. Im Freien, zum Spielen. Gleichzeitig sind aber, Stand Freitag, 1.5. 2020, die Spielplätze offiziell noch geschlossen.

Was im ländlichen Raum oder in ruhigeren Wohngegenden vielleicht ganz gut geht ist in unserem städtischen Wohnviertel in München ein Problem. Draußen zum Spielen treffen findet hier in den meisten Fällen auf dem Spielplatz statt. Es kann nur auf dem Spielplatz stattfinden, weil es sonst kaum Platz gibt, wo Kinder alleine gefahrlos spielen können.

Spielen, aber ohne Platz

Seit Beginn des Lockdown sind für meine Kinder alle Bewegungsangebote weggebrochen. Schulsport? Fällt aus. Parkour im Verein? Bis auf weiteres geschlossen. Basketball mit Freunden auf dem Spielplatz? Rotes Flatterband.

Alles was Ihnen draußen Spaß macht geht gerade nicht oder nur sehr eingeschränkt. Auf Joggen haben Sie keinen Bock. Spazierengehen? LoL!

Radfahren würde Ihnen Spaß machen. Beide haben ihren Fahrradführerschein gemacht. Sie dürfen offiziell alleine in der Stadt mit dem Rad unterwegs sein. Ich kenne aber keine Eltern, die bei dem Gedanken an ihr alleine radfahrendes Kind im Münchner Stadtverkehr kein ungutes Gefühl haben. Jeder hat eigene Erwachsenenerfahrungen mit zu schmalen, zugeparkten und plötzliche endenden Radwegen, zu eng überholenden Autofahrern oder immer noch zu vielen tödlichen Rechtsabbiegerunfällen.

Platzverschwendung

In vielen deutschen Städten wird Raum immer knapper. Eine Stadtgesellschaft braucht Platz für Wohnen, Erholung, Geschäfte und Verkehr. Es gibt keine offiziellen Statistiken, wie die Verkehrsflächen in deutschen Städten verteilt sind, aber die Agentur „clever Städte“ hat in der Studie „Wem gehört die Stadt“ für Berlin ermittelt, dass dort 58% der Verkehrsfläche für Autos und nur 3% für Radfahrer zur Verfügung stehen.

Autos brauchen dabei nicht nur Platz zum Fahren, sondern auch zum Parken. Ein durchschnittlicher Autoparkplatz ist zehn Quadratmeter groß. Dazu kommt noch, dass ein Auto im Durchschnitt nur eine Stunde am Tag genutzt wird. Das bedeutet die restlichen 23 Stunden des Tages steht es ungenutzt rum und verbraucht zehn Quadratmeter Platz, der an anderer Stelle dringend fehlt. Der Illustrator Karl Jilk hat für die schwedische Verkehrsverwaltung den Platz, den wir Autos in Städten zugestehen (und anderen Verkehrsteilnehmern verwehren) sehr anschaulich illustriert.

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Platzgerechtigkeit und Distanzierungsraum

Schon vor Corona war diese Platzverteilung nicht gerecht, unter dem Brennglas von Ansteckungsketten und nötiger Distanzierung potenziert sich diese Ungerechtigkeit noch mal deutlich.

Das ist ein durchschnittlicher Gehweg in meinem Stadtviertel.

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Ich kenne einige Stellen, an denen zusätzlich noch Geschäfte, wie z.B. Eisdielen sind, vor denen sich seit Corona vor dem Laden lange Schlangen bilden. 1,5 bis 2 Meter Abstand zwischen Fußgängern und Radfahrern ist hier unmöglich. Platz wäre eigentlich genug. Er wird aber vor allem genutzt für zwei Autospuren und auf jeder Seite einen Parkstreifen.

Der Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher hat bereits in den 1970er Jahren sein sogenanntes „Gehzeug“ entwickelt. Ein einfaches Holzgestell, welches eindrucksvoll veranschaulicht, wieviel Platz ein PKW im Stadtverkehr einnimmt. In Zeiten von Corona ist der Gedanke, dass Fußgänger das Gestell als Distanzierungs-Tool verwenden gar nicht mehr so absurd. Rad- und Fußweg auf dem Bild oben wären dann komplett von einer Person belegt.

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Gesundheit für Alle

Um Ansteckungen zu vermeiden fällt der ÖPNV als sicheres Verkehrsmittel in der Stadt gerade leider größtenteils aus. Es bleibt Auto, Fahrrad oder zu Fuß gehen. Das Auto ist dabei das virensicherste Verkehrsmittel. Es schützt aber nur genau eine, bzw. um genau zu sein: 1,46 Personen (das ist die durchschnittliche Personenzahl, die in einem bundesdeutschen Auto sitzt) Fahrradfahrer und Fußgänger hingegen bekommen es dreifach ab: Abgase, Unterlegenheit bei potentiellen Verkehrsunfällen und seit neuestem dann eben noch Corona-Viren dank zu wenig Platz für Distanzierung.

Platz für Lockerungen

Anfang März hat sich in München der Autoverkehr dank Lockdown dramatisch reduziert. Ich habe das bei meinen regelmäßigen Distanz-Läufen auch gespürt. In den letzten Wochen bin ich sehr oft komplett ungestört auf leeren Autofahrspuren gerannt um den nötigen Abstand zu anderen Fußgängern einzuhalten.

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In Spanien wurde vor ein paar Tagen der sehr drastische Lockdown aufgehoben. Auf Instagram teilen viele Eltern Bilder, wie sich ihre Kinder beim ersten Spaziergang nach Wochen die leeren Straßen zurückerobern.

Bei uns werden Spielplätze demnächst wieder eröffnet. Aber bestimmt unter Auflagen. Es wird vielleicht eine maximale Besucherzahl geben, Altersbeschränkungen, oder Zeitslots für bestimmte Gruppen. Die Schulen sind weit entfernt vom Regelbetrieb. Wann es wieder Sportunterricht oder Fußballtraining geben wird? Keine Ahnung. Die Räume in denen sich Kinder sonst austoben werden noch auf Monate hinaus beschränkt bleiben.

Wenn genau jetzt in allen Bereichen unkonventionelle Lösungen gesucht werden, dann ist auch genau jetzt Zeit für eine schnelle und pragmatische Verkehrswende in deutschen Städten.

Mehr Raum für Kinder, Fußgänger, Jogger und Radfahrer., weniger für platzineffiziente Autos. Wir brauchen eine sozial gerechte Flächenverteilung, die der Gesundheit aller Stadtbewohner zu Gute kommt und nicht nur denen, die sich ein Auto leisten wollen oder können.

Wenn der Impfstoff gefunden ist, wartet nämlich schon wieder das nächste globale Problem auf uns: der Klimawandel. Der werkelt auch mit Corona weiter im Hintergrund und wird zu langfristigen und drastischen Änderungen unserer Gesellschaft führen. Weniger CO2, mehr umweltfreundlicher Verkehr sind ein gutes Gegenmittel dagegen.

Zaghafte Anfänge gibt es. Mailand will Autoverkehr nach dem Lockdown drastisch reduzieren, Brüssel auch, in Berlin entstehen erste Popup-Radwege und Spielstraßen werden zügig genehmigt. Gute Anfänge, aber gerade in deutschen Städten bisher nur Tropfen auf die heissen Pflastersteine der zu schmalen Rad- und Fußwege.

Ich habe in der Osterwoche ein fast autofreies München joggend erlebt und es war sehr schön.

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#GuteSchule: So wünschen wir uns digitalen Unterricht

Die Kultusminister*innen der Länder haben ein „Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Unterricht in Schulen“ beschlossen. Darin machen sie klar: Schule wie wir sie kannten wir es bis zu den Sommerferien nicht mehr geben.

Es wird so genannte Hygiene-Konzepte geben und vermutlich Präsenz-Unterricht in kleinen Gruppen und im Wechsel. Wie aber sollte der digitale Unterricht aussehen? Die vergangenen Wochen haben uns erstes Erfahrungen für digitales Lernen gebracht. Manche Dinge haben nicht so gut funktioniert, andere schon. Deshalb glauben wir: Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern sollten gemeinsam und deutlich sagen, was eine #guteschule für sie ausmacht.

Lasst uns deshalb hier sammeln, welche Anforderungen für eine digitale #guteschule wir haben:

  • Hausaufgaben werden nicht nur abegeworfen, es gibt einen Feedback-Kanal zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen
  • Gleiche Hardware für alle. Familien, in denen nicht jedes Mitglied einen eigenen Rechner/Tablet hat müssen mit kostenloser Hardware unterstützt werden
  • Innovative Unterrichtskonzepte. Klassischer Frontalunterricht ist online nur bedingt möglich. Es braucht neue Vermittlungskonzepte, die an das Medium angepasst sind.
  • Flexiblere Unterrichtszeiten bei gegebenem Rahmen. Zuhause können oder müssen die Schüler*innen in ihrem eigenen Tempo und zu ihren eigenen Zeiten lernen. Darauf sollte die Aufgabenstellung Rücksicht nehmen.
  • Einheitliche Plattformen je Teilgebiet – Kommunikation, Lehren, Organisation, Aufgabenverteilung und Abgabe. Bis jetzt besteht die Kommunikation und Stoffvermittlung meistens noch aus einer wilden Mischung aus E-Mail, Videochat, Lernplattform und postalisch zugestellten Arbeitsblättern. Das müsste man einfacher lösen
  • Verschiebung der Kultur des Lehren und Lernen weg von synchronen hin zum asynchronen Prozessen.
  • Schaffen von Kommunikationskanälen (live und asynchron) zwischen Lehrern und Schülern, Lehrern und Eltern und Schülern untereinander mit definierten Kanälen und Zeiten und unter Verwendung von Organisationstools.
  • Software-Einsatz soll im Hinblick auf Hardwareanforderungen, IT-Kompetenz und Fremd-Applikations-Einsatz maximal niedrigschwellig gestaltet werden. Mehrsprachigkeit und Datenschutzkonformität der Tools sind anzustreben.
  • Die Bereitschaft zum Neu-Denken von Schule und das damit einhergehende Erlernen von neue Prozessen, Methoden und Tools sollten bei Schülern, Eltern und Lehrern gefördert und aber auch eingefordert werden.
  • Für Lern- und Leistungsnachweise müssen mittelfristig Lösungen diskutiert und gefunden werden. Die Aufgabe sollte nicht an die Eltern übertragen werden.
  • (bitte weitere Punkte ergänzen)

Kostenloses Corona-Buch für Kinder

Der Beltz-Verlag hat ein kostenloses Kinderbuch zum Thema Corona online gestellt (für Kinder ab etwa fünf Jahre). Wer sich kostenfrei auf der Website registriert, kann das 15-seitige PDF runterladen, das der Grüffelo-Illustrator Axel Scheffler illustriert hat.

Kostenloses Corona-Buch für Kinder 15

Das Buch beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Coronavirus in einer kinngerechten, aber nicht bevormundenden Sprache. Auf die Frage nach Ausgangsbeschränkungen und Lockerungen antwortet das Buch zum Beispiel dies:

Auch wenn viele Menschen sich schnell von COVID-19 erholen, ist es wichtig, dass sich niemand ansteckt, der durch das Virus schwer erkranken würde. Das heißt, wir müssen versuchen, dass sich möglichst wenig Menschen gleichzeitig infizieren. Dadurch verhindern wir, dass Ältere und Schwächere sehr krank werden. Werden viele Menschen gleichzeitig krank, überlastet das die Krankenhäuser, und die Ärzte und Pfleger können sich nicht mehr richtig um alle Patienten kümmern.

Coronavirus – Ein Buch für Kinder

Hier kann man das Buch runterladen

Eine gute Idee auch für Deutschland: eine Regierungspressekonferenz für Kinder

Wie kommuniziert eine Regierung in Zeiten der Krise? Wir erleben im Umgang mit der Corona-Krise gerade abschreckende Beispiele. US-Präsident Donald Trump spekulierte in dieser Woche, es könne sinnvoll sein, Patienten Desinfektionsmittel zu injizieren (ist es nicht!). Umso erstaunlicher ist es, was man heute von Sanna Marin lesen kann. Sie ist die finnische Regierungschefin und hat am Freitag offenbar eine Pressekonferenz gemeinsam mit der Bildungsministerin Li Andersson und der Wissenschafts- und Kulturministerin Hanna Kosonen gegeben – nur für Kinder!

Eine gute Idee auch für Deutschland: eine Regierungspressekonferenz für Kinder 16

Dieser Facebook-Beitrag berichtet davon, dass sieben bis 12-jährige Kinder dabei die Fragen zum Thema Corona-Krise stellen konnten. Ich habe die Pressekonferenz nicht gesehen (und kann auch kein Finnisch), in dem Beitrag lese ich aber von Fragen wie „Wann können wir wieder in die Schule? Werden wir im Sommer schwimmen gehen könne? Wann können wir unsere Großeltern wieder treffen?“

Es sei den Ministerinnen, die zum Teil selbst Mütter sind, geglückt, die Fragen zu beantworten, ohne die Kinder zu belehren. Um zu ermessen wie erstaunlich eine solche Pressekonferenz ist, muss man sich nicht die Kindskopf im Weißen Haus vorstellen, sondern die Situation in Deutschland: Hier gab es sowas in der Corona-Krise noch nicht.

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